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Democracy International

Wie radikal soll Demokratie sein? | Linz

Wie radikal soll Demokratie sein? | Linz

Konferenz über Radikaldemokratie u.a. mit Oliver Marchart (Uni Wien) und Markus Pausch (FH Salzburg)

Freitag, 22. Jänner 2021, 15-20 Uhr

Wissensturm VHS Linz
Seminarzentrum im 15. Stock
Kärntnerstraße 26, 4020 Linz

In Kooperation mit Wissensturm - VHS Linz

freier Eintritt

 

Demokratie grundlegend - von der Wurzel - denken und leben

Wir leben in einer Zeit bedrohlicher Tendenzen in Richtung weniger Demokratie, wo demokratische und rechtsstaatliche Errungenschaften in Frage gestellt werden. Gerade für Menschen, denen Demokratie ein grundsätzliches Anliegen ist, wird es daher immer wichtigeres Bedürfnis, sich Energie und Kraft aus Ansätzen zu holen, die ihre Perspektive in einem Mehr an Demokratie sehen.

Mithilfe radikal-demokratischer Ansätze wird der rechtspopulistischen Besetzung des Redens über Demokratie etwas entgegengesetzt. Radikaldemokratie kritisiert aber auch die bestehende liberale Demokratie, wo es geboten erscheint. Demnach gehen wir nicht einem postdemokratischen Ende der Demokratie entgegen. Vielmehr sind unsere westlichen Demokratien nie demokratisch genug gewesen.

Für die Konferenz "Wie radikal soll Demokratie sein?" konnten wir zwei ausgewiesene Experten für Radikaldemokratie gewinnen:

Oliver Marchart, Universitätsprofessor für Politische Theorie an der Universität Wien, wird demnächst sein Buch "Der demokratische Horizont. Politik und Ethik radikaler Demokratie" veröffentlichen. Er sieht die Antwort auf die Demokratiekrise in einer Demokratisierung der Demokratie: durch Radikalisierung und Neuerfindung der klassischen Prinzipien von Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Volkssouveränität. Im Lichte prominenter Theorien radikaler Demokratie erkundet Oliver Marchart die Möglichkeiten einer solchen Demokratisierung der Demokratie im Spannungsfeld zwischen Politik und Ethik.

Markus Pausch, Professor an der Fachhochschule Salzburg, hat in seinem Buch "Demokratie als Revolte. Zwischen Alltagsdiktatur und Globalisierung" eine Demokratietheorie der Revolte entworfen, die er an den gegenwärtigen Lebensverhältnissen in Europa prüft. Demokratie ist nicht nur eine Staats-, sondern auch eine Lebensform, die untrennbar mit der Revolte des Individuums verbunden ist. Sie beginnt mit dem Widerstand gegen Zwang und Unterdrückung, gründet auf Zweifel und Dialog und kämpft gegen Ungerechtigkeit und Autoritarismus. Nationalstaatliche Demokratien werden von autoritären Tendenzen und zunehmender sozialer Ungleichheit bedroht. Der Alltag der Menschen ist weiterhin von Diktaturerfahrungen geprägt. Bildungssysteme und Arbeitswelt lassen individuelle Revolten kaum zu, und die globalen Machtverhältnisse weisen keine demokratische Rückbindung auf. Diese Entwicklungen erfordern Demokratisierungsschritte auf allen Ebenen.​

Zwischen den Vorträgen der beiden Experten gehen wir in Workshops der Frage nach, wie wir Demokratie in den Lebensbereichen Schule, Arbeit/Tätig sein und Klima radikal denken und leben können.

Demokratie oder Schule​​?
Thomas Mohrs (Zentrum für Persönlichkeitsbildung und Begabungsförderung, Pädagogische Hochschule OÖ)
Auf der Website „Demokratiewebstatt“ kann man lesen, dass Schüler_innen in Österreich in der Schule „täglich Demokratie hautnah“ erleben, da „die Schulen in Österreich … demokratisch organisiert“ seien. Das klingt in der Theorie gut, aber wie sieht die Realität aus? Ist Schule, wie wir sie kennen, nicht nur un-, sondern antidemokratisch? Und erst recht die unselige Stoff-Stopfgänse-Pädagogik? Es gibt echte Alternativen! Aber die müssen gerade radikal-demokratisch gedacht viel stärker ins Bewusstsein gelangen.

Demokratie radikal denken und leben beim Klima
Ulrike Salzbacher
und Niklas Niskate (Extinction Rebellions)
Die Klimakrise rückt unweigerlich näher, doch die Politik scheint wie gelähmt. Gleichzeitig sind nur wenige Menschen zu radikalen Änderungen in ihrem Leben bereit. In den Medien ist das Thema zwar sehr präsent, es stehen jedoch meist die dramatischen Auswirkungen und keine Lösungsansätze im Mittelpunkt. Gibt es einen Weg aus dieser Krisensituation? Klar ist: Es bräuchte einen radikalen Wandel in der öffentlichen Diskussion und der politischen Entscheidungsfindung. Bereits in mehreren Ländern und NGOs gibt es Bestrebungen in diese Richtung. Mit Extinction Rebellion wurde eine Klimabewegung gegründet, die in der Nutzung von radikal-demokratischen Instrumenten einen Lösungsweg sieht.

Demokratie radikal denken, arbeiten und tätig sein. Voraussetzungen lebendiger Demokratie
Elisabeth Klatzer
(Attac)​
Radikale Demokratie erstreiten und leben braucht Zeit. Und vieles mehr. In diesem Workshop gehen wir der Frage nach, welche Voraussetzungen eine lebendige radikale Demokratie braucht.​ Arbeiten und tätig sein steht im Zentrum der gesellschaftlichen Entwicklung. Welche Veränderungen sind nötig, um radikal demokratisches Engagement zu ermöglichen? Und welche Strategien bringen unsere Ziele bestmöglich voran?

 

Programm
 
14:30-15:00
Ankommen
 
15:00-15:15
Begrüßung und Einführung
Erwin Leitner und Ulrike Salzbacher (mehr demokratie! oberösterreich)
 
15:15-16:15
Der demokratische Horizont. Politik und Ethik radikaler Demokratie
Oliver Marchart (Institut für politische Theorie, Universität Wien)
 
16:15-16:30
Pause
 
16:30-17:45
Parallele Workshops
  • Demokratie oder Schule​​?
    Thomas Mohrs (Zentrum für Persönlichkeitsbildung und Begabungsförderung, Pädagogische Hochschule OÖ)
     
  • Demokratie radikal denken und leben beim Klima
    Ulrike Salzbacher
    und Niklas Niskate (Extinction Rebellions)
  • Demokratie radikal denken, arbeiten und tätig sein. Voraussetzungen lebendiger Demokratie
    Elisabeth Klatzer
    (Attac)​

17:45-18:15​
Pause mit Buffet

18:15-19:15
Demokratie als Revolte
Markus Pausch (Fachhochschule Salzburg)

19:15-20:00​
Was bedeutet radikale Demokratie für unser Engagement?

 

Vertiefende Informationen:

  • Oliver Marchart, Der demokratische Horizont. Politik und Ethik radikaler Demokratie, Suhrkamp 2020
  • Markus Pausch, Demokratie als Revolte. Zwischen Alltagsdiktatur und Globalisierung, Nomos 2017
  • Oliver Flügel-Martinsen, Radikale Demokratietheorien zur Einführung, Junius 2020
  • Dagmar Comtesse, Oliver Flügel-Martinsen, Franziska Martinsen, Martin Nonhoff (Hg.), Radikale Demokratietheorie. Ein Handbuch, Suhrkamp 2019

 

Rudi Schober wird bei dieser Konferenz für DorfTV filmen. Wer nicht gefilmt werden möchte, soll bitte vorher dem Kameramann bescheid geben und sich in den toten Winkel der Kamera setzen.

 

Kontakt

 

Foto (c) Lucile Tillet

Weitere Informationen

Radikale Demokratietheorien zur Einführung
Oliver Flügel-Martinsen Radikale Demokratietheorien zur Einführung Erschienen am 07.04.2020 Junius Verlag 188 Seiten € 15,40 [A]
Demokratie als Revolte
Markus Pausch Demokratie als Revolte Zwischen Alltagsdiktatur und Globalisierung Vorwort von Andreas Gross   Nomos 2017 184 Seiten 29,90 € [A]
Der demokratische Horizont, Politik und Ethik radikaler Demokratie
Oliver Marchart Der demokratische Horizont. Politik und Ethik radikaler Demokratie   Geplantes Erscheinen: 14.12.2020 suhrkamp taschenbuch...
Radikale Demokratietheorie. Ein Handbuch
Radikale Demokratietheorie - Ein Handbuch Herausgegeben von Dagmar Comtesse, Oliver Flügel-Martinsen, Franziska Martinsen und Martin Nonhoff    ...

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