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Richard Hörl ist tot – ein Nachruf

Richard Hörl 2010 vor Salzburger Altstadt (c) Hannes Augustin, Naturschutzbund

Richard Hörl ist tot – ein Nachruf

30.04.2019

Als jahrelange Wegbegleiter von Richard Hörl und als Mitstreiter für die Grünlanddeklaration und für das Salzburger Modell für mehr Direkte Demokratie haben Wilfried Rogler und Hannes Augustin die Aufgabe übernommen, offiziell über den Tod von Richard Hörl zu informieren und ihren Nachruf zu veröffentlichen.

Wie erst jetzt bekannt wird, ist Richard Hörl, eine Bastion der Salzburger Bürgerbewegung, am Ostermontag nach langem Leiden verstorben. Die Verabschiedung fand auf seinen Wunsch in aller Stille und im engsten Kreis seiner Familie und einiger Weggefährten statt.

„Es ist unmöglich, sich um Salzburg NICHT zu sorgen“. Wenn diese Aussage aus der Mahnschrift von Professor Dr. Sedlmayr aus dem Jahr 1965 auf jemanden zutrifft, dann auf den unermüdlichen Streiter Richard Hörl. Der Bäcker- und Konditormeister aus der Alpenstraße hat mit seinem Engagement Salzburg mehr geprägt als so manche namhaften Politiker.

Bereits Mitte der 1970er Jahre kämpfte Hörl um die Erhaltung der Stadtlandschaft Freisaal im Süden Salzburgs. Zusammen mit dem Schauspieler Herbert Fux und dem Richter Eckehart Ziesel stemmte er sich mit aller Kraft gegen die planmäßige Demolierung der Stadt. Aus diesen Bürgerinitiativen ging schließlich die Salzburger Bürgerliste hervor, die Richard Hörl mitbegründete. Er selbst brachte von 1977 bis 1980 frischen Wind in die Salzburger Gemeindestube. Diese Doppelbelastung – in der Nacht ging er seinem Bäckerberuf nach, tagsüber kämpfte er für seine Heimatstadt - bedeutete allerdings erheblichen Raubbau an seiner Gesundheit. Deshalb schied er 1980 aus dem Gemeinderat aus. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, weiterhin in Bürgerinitiativen tatkräftig mitzumischen. Wer sich über diese bewegte Zeit aus erster Hand informieren will, findet mit Hörls Buch „Die Salzburger Bürgerrevolte 1972 – 1982“ (Edition Tandem) ein authentisches Zeitdokument.

Das Engagement des Bürgerrechtlers Hörl endete nicht an der Stadtgrenze. Legendär ist sein original nachgebauter Bauzaun von Wackersdorf. 1986 stand dieses Symbol gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage monatelang am Alten Markt, Mahnmal und Publikumsattraktion gleichermaßen.

Der Radfahrer Hörl setzte sich auch für das Radwegenetz mit den Unterführungen unter den Salzachbrücken ein, was damals seitens der Politik als undurchführbar abgelehnt wurde. Dass der sog. Überfuhrsteg während der Sanierung für Radfahrer und Fußgänger benützbar blieb, war ebenfalls sein Verdienst.

Seine letzte große Anstrengung galt der Erhaltung der Salzburger Grünland-Deklaration und der gesetzlichen Verankerung im Stadtrecht. Er und seine Mitstreiter*innen erreichten das nach jahrelangen Auseinandersetzungen und nachfolgenden intensiven Verhandlungen mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Heinz Schaden im Jahr 2008. Auch seine Vision von einer verbindlichen Bürger*innen-Mitbestimmung in Salzburg war 2014 zum Greifen nahe. Dass sein Herzensanliegen in letzter Sekunde politisch verhindert wurde, hat er nie verschmerzt!

Richard Hörl auf sein unermüdliches Wirken als Bürgerrechtler zu reduzieren, würde aber seiner facettenreichen Persönlichkeit nicht gerecht.

Er übte seinen Bäckerberuf mit der gleichen Leidenschaft aus, wie sein politisches Engagement. Hörl war aber auch durch und durch ein Kulturmensch. Thomas Bernhard zählte zu seinen Lieblingsautoren, Theater war seine Leidenschaft. Nur um Peter Stein auf der Perner Insel beim Inszenieren zu erleben, mischte er sich unter die Statisten. Auch spielte er am Domplatz jahrelang als
Kardinal im berühmten Jedermann mit.

Selbst wenn seine Zeit noch so knapp war, durfte neben allem auch seine Familie nicht zu kurz kommen, wobei ihm seine Frau eine enorme Stütze war. So war der Sonntag Nachmittag für alles andere tabu.

Ikone, Urgestein, Legende – all diese viel strapazierten Begriffe treffen auf Richard Hörl zu und werden ihm doch nicht wirklich gerecht. Er war die Integrität in Person, die Sorte Mensch, für die man dankbar ist, sie gekannt zu haben.

Unendlich bescheiden drängte er sich nie in den Vordergrund und hasste jede Form von Personenkult.

Ein Nachruf wie dieser hätte ihm zu Lebzeiten wohl die Nackenhaare aufgestellt. Aber er hat in letzter Zeit so vieles ausgehalten, er wird auch das überleben.

Im Einverständnis mit seiner Familie mit besten Grüßen

Wilfried Rogler                                                  Hannes Augustin
 

 

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